Radionachrichten mal ganz anders?

Mit getragener Stimme kündigt der Nachrichtensprecher kaltes Wetter für den Süden Deutschlands an. Im Norden fallen die Temperaturen deutlich unter null Grad. Dann trägt er die erste Meldung vor: „Über Memel verhandelte heute der Völkerbundsrat vier Stunden lang…“ So beginnt die älteste erhaltende Nachrichtensendung. Sie stammt vom 13. Februar 1932.

Drei Menschen sitzen auf einer Schaukel und hören Radio

Radio früher (Foto: Deutsches Rundfunkarchiv)

Wetterberichte stehen heute (meist) nicht mehr am Anfang der Nachrichtensendungen. Sonst hat sich sehr wenig verändert. Radionachrichten klingen heute so wie in den ersten Jahren des Rundfunks. Nachrichtensprecher tragen schriftlich fixierte Texte vor. Die lebensnahe, verständliche Sprache hat in allen Sparten des Hörfunks Einzug gehalten – nur in den Nachrichten nicht. Radio – das sind Stimmen, Geräusche, Klänge, Töne. Mit Ausnahme der Nachrichten. Sie sind oft farblos, leblos, emotionslos.

Außerdem wächst die Konkurrenz: Inzwischen gibt es ein unüberschaubares Nachrichtenangebot, vor allem im Internet. Ihre Rolle als unumstrittener Erstinformant haben die Radionachrichten längst verloren. Heute schreiben bereits Computer Nachrichten und lesen sie auch vor – so wie die neue Nachrichtenapp Newsbeat. Es ist also Zeit, darüber nachzudenken: Wie könnten die Radionachrichten der Zukunft aussehen?

Darüber diskutieren zum ersten Mal in der Radiogeschichte Nachrichtenredakteure – bei einer Zukunftswerkstatt Nachrichten. Sie findet vom 23. bis 25. Mai im MDR-Landesfunkhaus in Magdeburg statt. Veranstalter sind MDR Sachsen-Anhalt, die Medienakademie von ARD und ZDF und die Politische Akademie Tutzing. Sie haben 20 Nachrichtenmacher aus ganz Deutschland und der Schweiz eingeladen; von öffentlich-rechtlichen und von privaten Sendern. Auch das ist eine Premiere.

Radio Heute: Crowdradio-App von detektor.fm

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Sie sprechen darüber, wie Radionachrichten in den nächsten Jahren aussehen sollten: Eng vernetzt mit anderen Nachrichtenangeboten, präsentiert von Persönlichkeiten am Mikrofon, mit emotionalen Geschichten von Menschen, mit vielen Originaltönen; verständlich, transparent und maßgeschneidert für die Hörer. Im Vordergrund der Werkstatt in Magdeburg steht die Praxis: In den Studios von MDR Sachsen-Anhalt werden die Teilnehmer Nachrichtensendungen produzieren und hörbar machen, wie Nachrichten künftig klingen könnten.

 Informationen über die Zukunftswerkstatt gibt es im Internet auf den Seiten Radio-Machen.de und Nachrichtenzukunft.de sowie bei Twitter unter dem Hashtag #newsneu.

Dietz Schwiesau, Wortchef von MDR SACHSEN-ANHALT